(DiePresse.com) Die "Europäische Koalition zu Öl im Sudan" wirft mehreren Ölkonzernen vor, trotz vorliegender Menschenrechts-Verletzungen ihre Tätigkeit im Sudan fortgesetzt zu haben.
Eine Gruppe von Hilfsorganisationen erhebt schwere Vorwürfe gegen internationale Ölkonzerne, darunter die OMV, im Südsudan. Der Beginn der Ölförderung in der Region habe eine Spirale der Gewalt ausgelöst und die Konzerne hätten ihre Tätigkeit in Kenntnis der begangenen Menschenrechtsverbrechen fortgesetzt, schreibt die "Europäische Koalition zu Öl im Sudan" (ECOS). Sie fordert eine Untersuchung der Rolle der Ölkonzerne durch die jeweiligen Regierungen. Die OMV teilte mit, dass sie "ihre Minderheitsbeteiligungen im Sudan im Jahr 2004 verkauft hat" und "seitdem nicht mehr in diesem Land tätig" ist.
Die OMV gibt weiter an, dass sie während ihres Engagements im Sudan "ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachgekommen" sei. "Die OMV hat internationale Menschenrechts- und Umweltstandards in das Unternehmen integriert und konsequent umgesetzt", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Unternehmens.
Die OMV sei Mitglied des "UN Global Compact" und habe auch einen eigenen Verhaltenskodex (Code of Conduct) erarbeitet, "erarbeitet, der höchste Standards in der Wertschöpfungskette des Unternehmens garantiert, unabhängig davon, wo wir als Unternehmen operativ auf der Welt tätig sind". Weil sich die OMV auf ihre "Kernregionen" konzentrieren wollte, habe sie im Jahr 2004 ihre beiden Minderheitsbeteiligung an zwei E&P Blöcken im Sudan verkauft und sei in dem Land nicht mehr tätig.
Der Terror im Sudan soll begonnen haben, nachdem die sudanesische Regierung ein Ölförderungsabkommen mit einem aus der schwedischen Lundin Oil AB, der malaysischen Petronas Carigali Overseas, der österreichischen OMV (Sudan) Exploration GmbH, und der sudanesischen Sudapet Ltd bestehendem Konsortium abgeschlossen habe. Sudanesische Regierungstruppen und andere regierungsloyale bewaffnete Einheiten hätten begonnen, die Ölfelder zu sichern und die Kontrolle zu übernehmen.
"Tausende Bewohner der Region starben, und beinahe 200.000 Menschen wurden gewaltsam vertrieben", so ECOS. Das Ölkonsortium soll Kenntnis von den Menschenrechtsverletzungen der bewaffneten Gruppen gehabt haben, die teilweise auch für die "Sicherheitsbedürfnisse" der Konzerne gesorgt hätten. "Trotzdem setzten sie die Zusammenarbeit mit der Sudanesischen Regierung, ihren Behörden und ihrer Armee fort."
Die Regierungen von Schweden, Österreich und Malaysia sollen prüfen, ob die Ölkonzerne "der Mittäterschaft an der Ausführung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch andere Akteure während der Periode 1997-2003" anzuschuldigen sind.