Ex-Botschafter erwartet keinen Ausbruch der Gewalt im Sudan

18.04.2010

Peter Mende warnt vor einer Überschätzung des westlichen Einflusses auf das Land

 

Der ehemalige deutsche Botschafter in Sudan, Peter Mende, geht nicht davon aus, dass es im Sudan in den nächsten Monaten bis zur geplanten Volksabstimmung über eine mögliche Teilung des Landes zu größeren Gewalttaten kommen wird.

Er teile den verbreiteten Pessimismus nicht. Es gebe die Konfliktregion Darfur und Probleme im Osten des Landes, aber er erwarte nicht, dass die laufenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Zentralgebiet des Landes Gewalt auslösten.

Über den zur Wiederwahl aufgestellten Präsidenten des Landes, Omar Al-Bashir, sagte Mende: "Er ist natürlich ein brutaler Mensch, er ist ein bauern- oder beduinenschlauer Politiker und ein großer Demagoge." Al-Bashir verstehe es aber, seinen Bevölkerungsteil im islamischen Norden hinter sich zu bringen. "Es ist erstaunlich, immer wieder zu beobachten, wie er durch seinen persönlichen Einsatz die Menschen des Nordens begeistern kann." Trotz des Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher könne der Staatschef in den arabischen Staaten unbehelligt reisen und werde auch von China unterstützt.

Der frühere Botschafter warnte davor, den westlichen Einfluss auf das Land im Nordosten Afrikas zu überschätzen. "China bezieht sechs Prozent seines Erdölimports aus dem Sudan", betonte Mende vor allem das Vordringen der asiatischen Handelsmacht. "China ist präsent im Sudan, China hat eine kleine Schutztruppe für die eigenen Investitionen."

Die westliche Politik gegenüber dem Sudan charakterisierte Mende so: "Ich glaube, dem Westen oder der westlichen Staatengemeinschaft geht es darum, die Konfliktherde soweit herunter fahren zu können, dass davon keine Bedrohung für Nachbarstaaten und internationale Friedensoperationen ausgehen." Deutschlandradio – 13.04.2010